Rose Les Madeleines Rose

Ticket und Tabu

Zur Kritik von 'Definitionsmacht', Willkür und Vergewaltigungsrelativierung in der autonomen Linken

20. Mai 2008, 20:00 Uhr Barri-Bar (Trauma) in Marbug
mit der Assoziation Les Madeleines auf Einladung der association antiallemande

Seit vielen Jahren nun schon geistert das Schlagwort "Definitionsmacht" durch die linksradikalen Debatten um den Umgang mit sexueller Gewalt. Immer wieder eingefordert, beständig propagiert, selten bestritten und gerne mit der Forderung nach "lebenslangen Ausschlüssen aus allen Zusammenhängen" begleitet, soll die Definitionsmacht es Frauen erlauben, ganz autonom zu bestimmen, was als Vergewaltigung – und wer als Vergewaltiger gilt. Wer das nicht mittragen will, der offenbare, so die landläufige Meinung, "nur zu deutlich die Interessenslage potentieller Vergewaltiger" (Berliner Antisexismusbündnis). Denn jede andere Umgangsweise lande zwangsläufig beim frauenfeindlichen Procedere gerichtlicher Vergewaltigungsprozesse, in denen bekanntlich vor allem die Opfer peinlich genau nach Rocklänge und Flirtverhalten befragt werden; und überhaupt stelle jeder Versuch, über das Geschehene zu sprechen, nur eine erneute Traumatisierung für die Betroffene dar.
Die zahllosen Szene-Kampagnen, in deren Verlauf selbst eine Einladung zum Geschlechtsverkehr schon als Vergewaltigung skandalisiert werden konnte, nähren freilich nur den Verdacht, dass Generalermächtigungen zur begrifflichen und praktischen Willkür, selten zum Segen aller Beteiligten ausschlagen. Der linksradikale Umgang mit Sexualität und sexueller Gewalt wird nicht allein den Tätern (oder eben 'Tätern') nicht gerecht – sondern genausowenig den Betroffenen, deren Opferstatus im Modus des wortlosen Treu und Glaubens nur noch einmal affirmiert wird. Zu diskutieren wird daher sein:
Warum die Freiheit, alles, was einem oder einer Unbehagen bereitet, als Vergewaltigung zu definieren, einen unverschämten Affront denen gegenüber darstellt, die in der Tat erzwungene Penetration erlitten haben / Warum das in der autonomen Linken vorherrschende Bild von der Sexualität als vermintem Gelände, in dem nichts als Fährnisse und patriarchaler Machtwillen lauerten, allein dem zeitgemäßen Rückzug aufs sichere Terrain der Einer- oder Dauerzweierbeziehung das Wort redet / Warum es dabei alles andere als Zufall ist, dass das linksradikale Verlangen, mit Sexualdelinquenten – ganz ohne 'täterschützende' Unschuldsvermutung – kurzen Prozess zu machen, dem des deutschen Mainstreams bis in die Wortwahl gleicht / Warum also, mit einem Wort, die Definitionsmacht das, was sie anzugreifen vorgibt, die starre Ordnung der Geschlechter, in Wirklichkeit nur fortschreibt und zementiert.

The Good, the Bad and the Innocent - Die Lust am Sexualstrafrecht

Neu Samstag 17.11.07 19:30 Uhr
Buchtstrasse 14-15, Bremen (Cafe Naturfreundehaus)
Eine Veranstaltung von: Extrablatt - Aus Gründen gegen fast Alles und les madeleines.
Veranstaltungsplakat als PDF

Veranstaltungsplakat

10/2007: Dialektik der Treue

Neu Unser Beitrag zur Diskussion um Liebe, Sex und Beziehungen in der Wochenzeitung Jungle World:
http://jungle-world.com/seiten/2007/40/10748.php

10/2005: Literaturliste Psychoanalyse

Wir haben einige Literaturempfehlungen zusammengestellt. Das meiste davon erscheint uns lesenswert, weil es Schlaues zur Psychoanalyse zu sagen hat. Viele der Bücher beschäftigen sich konkret damit, was die Psychoanalyse zum Geschlechterverhältnis zu sagen hat oder zu sagen haben sollte. Wenn Du die Büchjer gebraucht oder neu über unsere Seite bei Amazon erstehst, spendet Amazon uns automatisch ein paar Prozent des Kaufpreises für die Kosten dieser Internetseite. Wenn Du eine sympatische Buchhandlung kennst, darfst Du aber auch zu der gehen. [Zur Literaturliste]

Wenn Deutsche zu sehr lieben. Sexualität und Geschlechterverhältnis im postfaschistischen Deutschland

[Teil 1]:...ja, was dann? Suchen sich da nicht negative Nationalisten einen Anlass, den Landsleuten den Sonderweg noch im Bett nachzuweisen? - Ganz, als gäbe es einen deutschen Orgasmus, oder, sei’s drum, einen deutschen ejaculatio praecox? Sollte nicht wenigstens der schlechte Sex, die katastrophische Paarbeziehung einmal nicht diesem Volk, sondern dem Patriarchat, der bürgerlichen Sexualmoral und ähnlichen Ärgernissen zur Last gelegt werden? Führt nicht gar die gegenteilige Behauptung schnurstracks in die Hölle, die da heißt Völkerpsychologie, auf direktem Weg zu den Mythen von den ordentlichen, aber hüftsteifen Hunnen, die den feurigen Südländern in Sachen Erotik und Esprit das Wasser nicht reichen können? (weiter)
[Teil 2]: "Der Habicht Mutter und der Bussard Omutter verbieten dem ihnen anvertrauten Kind das Verlassen des Horstes. In dicken Scheiben schneiden sie IHR das Leben ab..."
[Teil 3]: Geht es um die Transformationen, die Sexualität und Geschlechterverhältnisse im postfaschistischen Deutschland durchlaufen haben, so ist das Bestreben, den kritischen Begriff dieser Gesellschaft auf die Höhe der Zeit zu bringen, stets der Gefahr ausgesetzt, den eigentlichen Skandal zu übersehen: Wie vieles sich gleich geblieben ist vor und nach 1945, wie sehr sich weiterleben ließ wie zuvor, auch an Tisch und Bett.

Links:

Les Madeleines empfehlen [hip places to be].

Syphilis-Arbeit: Wandzeitungen zum Download.

Syphilis-Arbeit Logo [Geh plakatieren gegen Geschlechterverhältnisse!]

Gedanken zum Frühlingsanfang - Zur Kritik an der Bahamas-Ausgabe “Hauptsache Sexualität” [html] [rtf]

Vorbemerkung: Der folgende Text der Gruppe “Les Madeleines” aus dem Jahre 2002 hätte nach Wunsch der AutorInnen in der ‘Bahamas’ erscheinen sollen, um nach dem Abflauen der Aufregung um deren Kritik am linken Szene-Umgang mit Sexualität und sexueller Gewalt eine substantiellere Debatte um das Verhältnis von Kapitalismus und Geschlechterverhältnissen zu eröffnen. Das jedoch erschien der ‘Bahamas’ als ein unsittliches Ansinnen, und nach einer unerfreulichen Auseinandersetzung, in deren Rahmen sich vor allem ein Redakteur derselben mit sexistischen Schmähungen und Forderungen wie der, er erwarte von den AutorInnen vielmehr “Artikel zur Verteidigung der genitalen Sexualität” hervortat, blieb die Kritik unpubliziert. Im Lichte dieser und weiterer Entwicklungen um das Berliner Zentralorgan wäre der Text, vor allem im einleitenden Absatz, sicher schärfer ausgefallen. Nur haben “Les Madeleines” bisher keine Zeit zu einer Überarbeitung gefunden, die auch eine Kritik an später veröffentlichten Artikeln der ‘Bahamas’ zum Thema (so etwa an der grandiosen völkerpsychologischen Diagnose zur “Psychopathologie des Islam” in der Nummer 37 / 2002, in deren Rahmen die Autorin erklärt, warum der islamische Mann nicht arbeiten mag) umfassen müsste. Daher wird der nachfolgende Text als Dokument, nicht aber als letzter Stand der Erkenntnis der interessierten Öffentlichkeit zur Kenntnis gegeben.

Schänder Trouble - Zur aktuellen Verschärfung des Sexualstrafrechts und dem nicht bloß aktuellen Hass auf die Perversen.

Dieser Essay wurde veröffentlicht in der Gigi - Zeitschrift für sexuelle Emanzipation, Ausgabe #31 (Frühjahr/Sommer 2004). Wir dokumentieren darüber hinaus hier die vollständige, ausführliche Version des Texts. [Schänder Trouble: Extended Version html oder rtf ]

Was war nochmal?

Unsere vergangenen Gedanken zu und Auseinandersetzugen mit Definitionsrecht und "Subjekt, sexuellen Verhältnissen und linksradikaler Szene" finden sich ab sofort im [Archiv].

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letzte Änderung: 11/2007